MEINUNG


Zur ungleichen Steuerbehandlung von Leistung und Glück


Liebe Leserin, lieber Leser,

ab dem 9. Januar 2014 machen die Sender ProSieben und Sat1 in der neuen Castingshow "Millionärswahl" erstmals einen Kandidaten durch Wahl des Publikums zum Millionär. In sieben Shows treten jeweils sieben Kandidaten gegeneinander an – bis sich im großen Finale am 31. Januar entscheidet, wer Deutschlands erster demokratisch gewählter Millionär wird. Alles, was die Kandidaten tun müssen, ist, sich so zu präsentieren, dass möglichst viele Zuschauer sie wählen. Sie müssen also punkten durch besonderes Talent, gutes Aussehen, edle Gesinnung, Persönlichkeit, Ausstrahlung. Und genau wegen dieser persönlichen Leistung behält der Sieger letztlich nicht die volle Million, sondern nur die halbe. Leistung bestraft nämlich das Finanzamt, und so fordert es auch hier vom Gewinn einen Anteil von 45 % Einkommen- und Reichensteuer zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Im Gegensatz zur "Millionärswahl" können die Gewinner der Quizshow "Wer wird Millionär" ihre Gewinne - sogar den Millionengewinn - in voller Höhe behalten. Denn die Quizshow wird bisher als steuerfreies Glücksspiel eingestuft. Dies ist insoweit verwunderlich, weil es doch auf eigenes Wissen ankommt und dieses gezeigte Wissen zusammen mit dem taktischen Vorgehen nun wahrlich eine beeindruckende Leistung ist. Doch weil sich die Kandidaten nicht auf alle Fragen vorbereiten könnten und ihr Erfolg von der Tagesform abhänge, werde - so die Meinung - der Ausgang eben vom Glück bestimmt. Aber bislang gibt es hierzu noch keine Gerichtsentscheidung.

Hingegen ist die Besteuerung von Preisgeldern, die es bei zahlreichen Fernseh- und Casting-Shows gibt, zwischenzeitlich höchstrichterlich geklärt. Bei Shows, wie "Dating-Show", "Big Brother", "Dschungelcamp", "Deutschland sucht den Superstar", "Supertalent" erbringen die Kandidaten aktive oder passive Leistungen, schon allein durch ihre Teilnahme. Deshalb läuft der Gewinn nicht mehr unter Spiel oder Wette - mit der bitteren Folge: Das Finanzamt bekommt rund die Hälfte.

Zweifelhaft ist momentan die Besteuerung von Gewinnen aus dem Pokerspiel: Pokern gilt als Glücksspiel, wenngleich es auch auf Geschick ankommt, nämlich auf analytische und psychologische Fähigkeiten. Ein Spieler kann ein Spiel zwar beeinflussen, er gewinnt deshalb aber noch lange nicht. Entscheidend ist das richtige Blatt. Grundsätzlich sind Spiel-, Sport-, Wett- und Lotteriegewinne in Deutschland steuerfrei. Aber der Fiskus interessiert sich für Pokerspieler, wenn diese aus der Leidenschaft einen Beruf gemacht haben. Dann sollen die Pokergewinne steuerpflichtig sein und zu den "Einkünften aus Gewerbebetrieb" rechnen. Gleiches gelte für Antritts-, Fernseh- und Werbegelder. Im November 2011 erspielte sich der deutsche Student Pius Heinz den Weltmeistertitel im Pokern. Heinz gewann damals das berühmteste und größte Pokerturnier, das es gibt: Das Main Event - und damit 6,3 Millionen Euro. Wenn der Fiskus zugreift, schmilzt der Reingewinn auf die Hälfte.

Angesichts dieser Beispiele kommt man doch sehr ins Grübeln und unweigerlich zu der Frage: Warum wird jemand, der eine Leistung erbringt, steuerlich schlechter gestellt als jemand, der reines Glück hat? Warum wird Leistung bestraft und Glück belohnt? Warum muss man für Geld, das man durch Leistung, Fleiß und Talent verdient, Steuern zahlen, und kann das durch Glück, Spiel oder Wette gewonnene Geld brutto für netto vereinnahmen? Heißt es nicht: Das Glück ist mit dem Tüchtigen? Nein, hier ist das Pech mit dem Tüchtigen, denn er muss Steuern zahlen.

Zum Jahresbeginn wünsche ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, beides: viel Erfolg für Ihre Leistungen und viel Glück obendrauf. Das möchte ich mit Wilhelm Busch so formulieren:
Will das Glück nach seinem Sinn Dir was Gutes schenken,
sage Dank und nimm es hin ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt, doch vor allen Dingen:
Das, worum Du dich bemühst, möge Dir gelingen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
   Peter Kauth
   Redaktion Steuerrat24

(verfasst am 28.12.2013)


VIEL GLÜCK
UND VIEL ERFOLG!




Ein gutes Jahr 2014
wünscht Ihnen
Ihr Team von
Steuerrat24


Lasst uns geh'n
mit frischem Mute
in das neue Jahr hinein!
Alt soll unsre Lieb und Treue,
neu soll unsere
Hoffnung sein!
(Heinrich Hoffmann von Fallersleben)
© Copyright 2017 Steuerrat24