MEINUNG


Zum Spaß an der Steuererklärung


Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt ein Klischee, das scheinbar unverwüstlich ist: Die Steuererklärung ist eine Last, führt zu Frust, bringt Missmut und Ärger. Sie ist kompliziert, unverständlich, widerlich und ätzend. Aber stimmt das wirklich? Verursacht die Steuererklärung auch bei Ihnen nur Missstimmung und Missvergnügen?

Die Steuererklärung kann Spaß machen! Es ist gar nicht so schwer, die Steuererklärung selber anzufertigen. "Das kann jeder hinkriegen", meint auch Bundesfinanzminister Schäuble. Und der Präsident des Bundesfinanzhofs, Rudolf Mellinghoff, macht seine Steuererklärung selber, "um das Erlebnis dieser manchmal nicht ganz einfachen Betätigung auszukosten." Nach getaner Arbeit entsteht dann tatsächlich eine wohlige Freude. Wer sich selber an die Aufgabe macht, kann sich in den meisten Fällen nicht nur auf eine schöne Steuererstattung freuen, sondern spart auch noch das Honorar für den Steuerberater. Also ran an den Speck, denn es ist Ihr einstmals sauer verdientes Geld, das Sie sich mit der Steuererklärung zu einem Teil wieder zurückholen können. Dies sollte Motivation genug sein, doch es gibt noch weitere Tipps, die Ihnen die Beschäftigung mit der Steuererklärung schmackhaft machen:
  • Stellen Sie sich eine ordentliche Rückerstattung vor: Die Mühe der Steuererklärung wurde im Jahre 2006 mit durchschnittlich 823 Euro belohnt. Und es kann noch besser werden: 3,2 Millionen Steuerbürger bekamen sogar mehr als 1.000 Euro zurück! Das ist doch sehr viel Geld für einige Stunden Arbeit, oder?

  • Verbinden Sie die Steuererstattung mit einer Belohnung: Die Vorstellung der Steuererstattung in Euro ist abstrakt. Wenn Sie die Euros jedoch ummünzen in einen Kurzurlaub, in die Anschaffung eines neuen Fernsehgeräts oder in ein besonderes genussvolles Erlebnis, wird der Ansporn gleich größer.

  • Schaffen Sie ein angenehmes Ambiente: Eine unangenehme Arbeit wird nicht mehr als ganz so lästig empfunden, wenn Sie langsam mit einer Tasse Kaffee beginnen, einige Knabbereien bereitstellen, eine entspannende Musik auflegen, Zeitdruck ausschalten, Kinderlärm fernhalten.

  • Gehen Sie die Sache in einzelnen Arbeitsschritten an: Sortieren Sie als Erstes die Belege und drucken die erforderlichen Steuerformulare aus. Erledigen Sie Teilbereiche: Ermitteln Sie separat die Werbungskosten und füllen die "Anlage N" aus, dann listen Sie alle Versicherungsbeiträge auf und geben sie in "Anlage Vorsorgeaufwand" an usw. Erstellen Sie die Einnahmen-Überschussrechnung für Ihre Fotovoltaikanlage, für Ihre schriftstellerische Nebentätigkeit usw.

  • Ziehen Sie stille Helfer zu Rate: Bei Steuerrat24 gibt's Ausfüllhilfen, die Ihnen jedes Steuerformular Zeile für Zeile kurz erklären und mittels Mausklick weiterführende Informationen herbeizaubern. Natürlich können Sie sich auch mit Hilfe von PC-Steuerprogrammen und Online-Programmen durch die Steuererklärung führen lassen, wobei mittels Abfragen der Steuerfall eingegrenzt wird und alle Abzugsmöglichkeiten bestmöglichst ausgeschöpft werden.

  • Versuchen Sie, die Steuerregeln zu verstehen: Das Steuerrecht ist höchst interessant und spannend, denn es bildet das pralle Leben ab. Die Steuer durchdringt alle Bereiche der Lebenswirklichkeit, sogar die Heilkur am Toten Meer. Bei Steuerrat24 steht jeden Monat der beliebte SteuerSparbrief zum Abruf bereit, der aktuell über interessante Gesetzesänderungen, Urteile und Erlasse informiert. Wenn Sie diesen Brief übers Jahr hinweg lesen, bleiben Sie steuerlich auf dem Laufenden. Und wenn Sie die steuerlichen Grundregeln verstehen, wissen Sie besser, worauf es beim Steuernsparen ankommt.

  • Bedenken Sie, das Steuerrecht ist gar nicht so kompliziert: In seiner Gesamtheit mag das deutsche Steuerrecht tatsächlich komplex sein. Doch als Arbeitnehmer sind Sie nur von einem Bruchteil betroffen. Dies ist hier nicht anders als bei einem Computerprogramm, bei dem Sie ja auch nur einen Teil der Möglichkeiten nutzen. Auch das moderne Smartphone und die Technik des Autos sind für den Laien kompliziert, aber doch handhabbar, und selbst bei der eigentlich simplen Digitalkamera liegt eine Anleitung von 150 Seiten bei.
Ich habe hier einen verblüffenden Gedanken der Journalistin Tina Groll aufgenommen und weiterentwickelt. Frau Groll hatte vor genau einem Jahr in Zeit-online (4.2.2013) erklärt: "Ich habe Spaß an der Steuererklärung." Sie verriet dabei ihr Geheimrezept, wie sie sich selber motiviert. Diesen Artikel möchte ich Ihrer Lektüre empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
   Peter Kauth
   Redaktion Steuerrat24

(verfasst am 28.1.2014)


EIN SPRUCH

"Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand, denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe."
(René Descartes, 1596-1650)
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"Die Steuergesetze verlangen nichts Unmögliches. Gemäß § 150 Abs. 2 AO sind die Angaben in den Steuererklärungen nach bestem Wissen und Gewissen zu machen. Maßstab ist das individuelle subjektive Können und Wissen des einzelnen Steuerpflichtigen."
(BFH-Urteil vom 4.2.2010,
X R 10/08)
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