MEINUNG


Zum Unterschied zwischen handwerklichen Tätigkeiten
und Handwerkerleistungen


Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie den Unterschied zwischen handwerklichen Tätigkeiten und Handwerkerleistungen? Nein? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen. Falls es einen Unterschied geben sollte, kann es ihn - wie kann es anders sein - allenfalls im Steuerrecht geben, weil hier eben alles etwas diffiziler und komplizierter ist. Und tatsächlich: Über diese schwerwiegende und weltbewegende Frage zerbrachen sich hoch bezahlte Richter am Finanzgericht und am Bundesfinanzhof den Kopf.

Um was also geht es hier? Um die Steuerermäßigung nach § 35a EStG:
  • In den Jahren 2003 bis 2005 gehörten zu den haushaltsnahen Dienstleistungen auch einfache handwerkliche Tätigkeiten in der selbst genutzten Wohnung. Darunter waren Schönheitsreparaturen und kleinere Ausbesserungsarbeiten zu verstehen, die in regelmäßigen Abständen anfielen und gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts hätten erledigt werden können. Nicht begünstigt waren qualifizierte Handwerkerleistungen, die nur von Fachleuten erledigt werden konnten.

  • Seit 2006 werden jegliche Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in der selbst genutzten Wohnung eigenständig gefördert. Dazu gehören nun alle möglichen Arbeiten von Handwerkern, auch die qualifizierten Leistungen.
Begünstigt sind also seit 2006 nicht mehr nur Arbeiten, die gewöhnlich durch Haushaltsangehörige erledigt werden könnten, sondern auch Arbeiten, die nur von Fachkräften ausgeführt werden können. Begünstigt sind nicht nur Arbeiten, die in regelmäßigen Abständen anfallen, sondern auch solche, die einmalig erforderlich sind. Anders als bisher gibt's die Steuerermäßigung nun auch für die Renovierung der Hausfassade, Erneuerung des Badezimmers, Verlegen neuer Fliesen, Montage neuer Innentüren, Einbau einer neuen Heizungsanlage, Wartung der Heizung, Reparatur von Haushaltsgeräten, Schornsteinfeger- und Dacharbeiten usw.

Nun begehrte ein Steuerbürger, dass er für die "einfachen" Malerarbeiten - wie in den Jahren 2003 bis 2005 - auch im Jahre 2006 die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen (20 %, max. 600 EUR) und zusätzlich für andere Renovierungsarbeiten, wie Schreiner- und Fliesenarbeiten, die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen (ebenfalls 20 %, max. 600 EUR) bekommt. Das Finanzamt aber wertete sämtliche Arbeiten einheitlich als Handwerkerleistungen, fasste deren Kosten zusammen und gewährte die Steuerermäßigung nur einmal. Und genauso sah es auch das Finanzgericht. Der Gesetzeswortlaut und die Gesetzesbegründung seien eindeutig. "Die Begriffe Handwerkerleistungen und handwerkliche Tätigkeiten sind nach der Gesetzesbegründung synonym" (FG Bremen vom 11.12.2008, 2 K 100/08).

NACHTRAG: Da aber der Kläger noch immer uneinsichtig war, mussten sich auch die Richter am Bundesfinanzhof mit dieser 'schwierigen' Frage beschäftigen. Das Ergebnis: Die neue Steuervergünstigung des § 35a Abs. 2 EStG umfasst ab 2006 sowohl die einfachen handwerklichen Tätigkeiten als auch die qualifizierten Handwerkerleistungen - kurzum: sämtliche handwerklichen Arbeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Es gibt für diese Arbeiten die Steuerermäßigung insgesamt nur einmal. Diese beträgt seit 2009 sogar 1.200 EUR - statt bisher 600 EUR (BFH-Urteil vom 6.5.2010, VI R 4/09).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
   Peter Kauth
   Redaktion Steuerrat24

(verfasst am 30.3.2009, ergänzt am 25.8.2010)


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