MEINUNG


Zum Austritt aus der Institution Kirche und
Verbleib in der Glaubensgemeinschaft


Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht wenige Katholiken würden gerne aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts austreten, um Kirchensteuer zu sparen, wollen jedoch weiterhin Mitglied in der Kirche als Glaubensgemeinschaft bleiben. Aber geht das: Katholik sein, ohne Kirchensteuer bezahlen zu müssen?

AKTUELL hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass man nicht aus der Kirche als Institution austreten kann, keine Kirchensteuern zahlt und dennoch aktives Mitglied der Glaubensgemeinschaft bleiben kann. Der Kirchenaustritt kann nicht auf die "Körperschaft des öffentlichen Rechts" beschränkt werden. Ein reiner "Kirchensteueraustritt" ist also nicht zulässig (BVerwG-Urteil vom 26.9.2012, 6 C 7.12).
Die Kirche ist kein zweigliedriges Gebilde - bestehend aus einer Körperschaft und einer Glaubensgemeinschaft. Man kann nicht aus der Organisation Kirche austreten und weiter zur geistlichen Gemeinschaft gehören. Wer freiwillig seinen Austritt erklärt, ist kein Kirchenmitglied mehr. Für die Richter ist klar: Wie die Religionsgemeinschaft mit ihren Abtrünnigen umgeht, ist Sache der Kirche und nicht des Staates.
Kurz vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat die Deutsche Bischofskonferenz mit Billigung des Vatikans am 20.9.2012 ein "Allgemeines Dekret zum Kirchenaustritt" veröffentlicht, das am 24.9.2012 - zwei Tage vor dem Urteil - in Kraft trat. Darin zementieren die Bischöfe ihre bisherige strenge Haltung, dass in Deutschland ein ziviler Kirchenaustritt eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft darstellt. Es sei nicht möglich, eine "geistliche Gemeinschaft Kirche" von der "Institution Kirche" zu trennen. Ein Austritt nur aus der Institution gebe es nicht.
  • Ein Kirchenaustritt führt unverändert zu einem Verlust aller Mitgliedsrechte. Aber dann gibt es doch eine äußerst wichtige Änderung im Detail: Anders als bisher wird der Ausgetretene nun nicht mehr automatisch exkommuniziert, d.h. mit der schlimmsten Strafe belegt, die die Kirche zu vergeben hat. Es droht nicht mehr das "ewige Feuer".

  • Neu ist ebenfalls, dass der Ausgetretene vom Pfarrer per Brief zum Gespräch eingeladen wird. Im Gespräch sollen die Beweggründe erforscht werden, aber auch die kirchenrechtlichen Konsequenzen des Kirchenaustritts aufgezeigt werden. Es soll geworben werden, den Schritt noch einmal zu überdenken und gegebenenfalls rückgängig zu machen.

  • Neu ist ferner, dass kirchliche Ehe und kirchliches Begräbnis für Ausgetretene nicht mehr gänzlich ausgeschlossen sind: Die kirchliche Eheschließung ist möglich, wenn eine Erlaubnis zur Eheschließungsassistenz beim Bischof eingeholt wird und der Ausgetretene dazu die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung verspricht. Das kirchliche Begräbnis ist zulässig, falls der Ausgetretene vor dem Tod irgendein Zeichen der Reue gezeigt hat. Da das Begräbnis andernfalls verweigert werden "kann", heißt das, dass der Pfarrer es nicht verweigern muss. Auch das Sakrament der Krankensalbung kann der Ausgetretene jetzt zumindest in der Todesgefahr empfangen.

  • Was die Kirche dem Ausgetretenen nicht nehmen kann, ist die Gnade der Taufe. Die Taufe macht den Menschen zum Christen, nicht die monatliche Kirchensteuerzahlung. Wer einmal getauft ist, bleibt für immer getauft, selbst wenn er der Kirche den Rücken zukehrt. Der Glaube ist entscheidend, nicht das Geld.
Wer also Mitglied der Religionsgemeinschaft bleiben und die Angebote in Anspruch nehmen will, muss Kirchensteuer zahlen. Wie bei jedem Verein gilt auch hier: Wer die Vereinsangebote nutzen will, muss seinen Mitgliedsbeitrag leisten. Denn die Kirchen leben nicht vom Wort allein. Der Glaube kann vielleicht Berge versetzen, doch für einen Verbleib in der Glaubensgemeinschaft reicht er nicht - jedenfalls nicht ohne Geldzahlung. Nur wer auf dem Standesamt das Austrittsformular unterschreibt, ist von der Kirchensteuer befreit, darf dann aber auch nicht mehr die Mitgliedsrechte der katholischen Kirche in Anspruch nehmen. Anders als in anderen Ländern der Welt ist nur in Deutschland ohne Bedeutung, dass der Austretende lediglich pekuniäre Motive hat und gar nicht "vom Glauben abgefallen" ist. Geld und Glaube gehören hier unbedingt zusammen. Die deutschen Bischöfe halten ihre harte Linie aufrecht: Wer nicht zahlt, ist keiner von uns.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
   Peter Kauth
   Redaktion Steuerrat24

(verfasst am 24.10.2012)


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