MEINUNG


Zu den großartigen Leistungen der deutschen Steuerzahler


Liebe Leserin, lieber Leser,

jedes Jahr werden für alle möglichen Leistungen Preise und Auszeichnungen vergeben: Oscar, Echo, Bambi, Grammy, Comedy-Preis, Goldene Kamera, Goldene Stimmgabel, Goldene Henne, Goldenes Lenkrad, Adolf-Grimme-Preis, Deutscher Fernsehpreis, unzählige Literatur-, Theater- und Wissenschaftspreise. Für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet gibt es das Bundesverdienstkreuz.

Nur für eine Leistung gibt es nichts: für das redliche Steuern zahlen. Kein Dank, kein Lob, keine Auszeichnung! Ganz im Gegenteil: Noch mehr Misstrauen des Fiskus (siehe geplante Änderung des Gestaltungsmissbrauchs gemäß § 42 AO), noch mehr Drangsalierung (siehe geplante Anzeigepflicht von Steuergestaltungen gemäß § 138a AO), noch mehr rigoroses Vorgehen (siehe Ignorierung von vorteilhaften BFH-Urteilen), noch mehr Kontrollen (siehe Einführung der Steuer-Identifikationsnummer), noch mehr verschärfte Steuerregeln, die auch die letzte Vergünstigung verschließen (siehe Abschaffung der Abfindungsfreibeträge), noch mehr Steuerforderungen von kleinen Leuten (siehe Beschränkung der Entfernungspauschale, Halbierung des Sparerfreibetrages), noch mehr Bürokratie, noch mehr Betriebsprüfer und Betriebsprüfungen.
  • Ist es nicht eine großartige Leistung, dass die Steuerzahler mehr als die Hälfte des Jahres Frondienst für den Staat leisten? In diesem Jahr 2007 fiel der Steuerzahler-Gedenktag auf den 13. Juli und lag damit eine Woche später als 2006. Erst ab diesem Tag wirtschaften die Bürger in die eigene Tasche.

  • Ist es nicht eine großartige Leistung, dass die "oberen" 10 Prozent der Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen schon ab 66.000 Euro mehr als die Hälfte der gesamten Einkommensteuer aufbringen? Dass gar die "obersten" 1 Prozent - dazu gehört man bereits ab rund 162.000 Euro - allein 20 Prozent der Einkommensteuerlast tragen? Diese Leistung erscheint in einem noch helleren Glanz, wenn man bedenkt, dass die "unteren" 50 Prozent aller Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen unter rund 26.000 Euro insgesamt gerade mal 6,3 Prozent zum Einkommensteueraufkommen beitragen.

  • Ist es nicht eine großartige Leistung, dass die allermeisten gut verdienenden Steuerbürger im Lande bleiben und brav die hohen Steuern zahlen? Immerhin meldeten sich im vergangenen Jahr 155.000 Bundesbürger ins Ausland ab. Das ist die höchste Emigration seit 1954.

  • Ist es nicht eine großartige Leistung, dass die Steuereinnahmen in diesem Jahr 2007 sprudeln wie noch nie? Für das Jahr 2007 werden Steuereinnahmen von mehr als 534 Milliarden Euro erwartet und damit über 20 Milliarden Euro mehr als noch Ende 2006 angenommen. Dafür müssen die Bürger ordentlich schuften.

  • Ist es nicht eine großartige Leistung, dass die Bürger - und ganz besonders die Arbeitnehmer - bisher mehr als 1,4 Billionen Euro für den Aufbau Ost aufgebracht haben? Dafür zahlen sie auf die ohnehin schon hohe Einkommensteuer seit vielen Jahren brav den Soli, haben hohe Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt und Renteneinbußen bei der Rentenversicherung hingenommen.
Kein Wort des Dankes - kein Zeichen der Anerkennung für all die wertvollen Milliarden-Beiträge zum Gemeinwohl. Angesichts dieser enormen Leistungen wäre es zumindest angebracht, dass die Finanzbehörden den Steuerzahlern nicht immer nur mit Misstrauen begegnen, sie nicht noch weiter knebeln und nicht in jedem Steuerzahler einen potenziellen Steuerbetrüger sehen. Tief blicken in das Denken der Finanzbürokratie lässt der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Ondracek, der den Deutschen unterstellt, "der Trieb zu Steuersparmodellen ist größer als der Sexualtrieb". Dies mag im Einzelfall durchaus mit dem Alter zusammenhängen, doch die pauschale Verunglimpfung müssen die Steuerzahler als unverschämt und beleidigend empfinden. Wie wäre es, den Steuerzahlern einfach mal zu sagen, dass sie stolz auf ihre großartigen Leistungen sein können?

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
   Peter Kauth
   Redaktion Steuerrat24

(verfasst am 30.10.2007)


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