Der Abgeltungsteuer unterliegen Gewinne aus der Veräußerung von Aktien. Auch Verluste aus Aktienverkäufen werden erfasst und dürfen mit Gewinnen aus entsprechenden Veräußerungen verrechnet werden. Fraglich war allerdings lange Zeit, was in den Fällen geschieht, in denen eine Aktie einfach wertlos geworden ist. Die Finanzverwaltung will Verluste aufgrund Forderungsausfalls nicht steuermindernd anerkennen, weil die Wertminderungen der privaten Vermögensebene und nicht der Ertragsebene zuzuordnen seien (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl 2012 I S. 953, Tz. 60). Daher haben Anleger in der Vergangenheit häufig zu einer Strategie gegriffen: Sie haben ihre wertlos gewordenen Aktien zu einem mehr oder weniger symbolischen Preis veräußert, denn Veräußerungsverluste sind nun einmal abziehbar. Aktuell hat das Finanzgericht München entschieden, dass auch eine gegenseitige Veräußerung wertloser Anteile zwischen fremden Dritten kein Gestaltungsmissbrauch ist. Dementsprechend können die Verluste verrechnet werden (Urteil vom 17.7.2017, 7 K 1888/16, EFG 2017 S. 1792 Nr. 22, Rev. VIII R 9/17).

Der Fall: Im Juli 2011 hatte der Kläger Aktien zu einem Preis von 4.661 EUR erworben. Die Aktien verloren in der Folgezeit erheblich an Wert, denn nach Betrugsvorwürfen gegen die Gesellschaft war ihr das Listing entzogen worden. Sie geriet in Konkurs und wurde mit Sammelklagen geschädigter Investoren überzogen. Im Februar 2013 veräußerte der Kläger diese Aktien mit schriftlichem Vertrag zu einem Preis von insgesamt 10 EUR an eine andere Anlegerin, mit der er nicht verwandt oder verschwägert war. Im Gegenzug erwarb er von der Käuferin ebenfalls wertlose Aktien. Kosten hierfür fielen nicht an. Den Veräußerungsverlust wollte der Kläger mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechnen.

Das Finanzamt witterte in der Gestaltung einen Missbrauch, unterlag jedoch vor dem Finanzgericht. Dem Steuerpflichtigen stehe es frei, ob, wann und an wen er seine Gesellschaftsanteile veräußert. Dies gelte unbeschadet des Umstands, dass die Veräußerung zu einem Verlust führt.

STEUERRAT:   Der Bundesfinanzhof hatte kürzlich entschieden, dass der endgültige Ausfall einer Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden kann (BFH-Urteil vom 24.10.2017, VIII R 13/15). Mit seinem Urteil hat er sich gegen den Fiskus gewandt. Deshalb müsste ein Aktienverlust auch ohne Verkauf, also die reine Ausbuchung aus dem Depot, steuerlich abziehbar sein.

Weitere Informationen: Abgeltungsteuer: Wie Verluste aus Kapitalanlagen verrechnet werden

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