Aus leider aktuellem Anlass: Noch läuft die Fußball-WM, und der eine oder andere - zunächst - Glückliche konnte Tickets ergattern. Doch manch enttäuschte Fußballfreunde können wohl spätestens seit dem Ausscheiden des deutschen Teams der Versuchung nicht widerstehen, ihre Tickets - legal oder gegen die FIFA-Statuten - weiterzuverkaufen. Und hier stellt sich die Frage, ob der Verkauf der Tickets durch Privatpersonen der Einkommensteuer unterliegt. Natürlich besteht das gleiche Problem beim Verkauf von Karten anderer Sportveranstaltungen oder von Konzertkarten.

AKTUELL hat das Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg entschieden, dass ein Gewinn aus dem Verkauf von Champions-League-Finalkarten steuerfrei ist (Urteil vom 2.3.2018, 5 K 2508/17).

  • Der Fall: In ihrer Einkommensteuer-Erklärung für das Jahr 2015 haben die Kläger die Anschaffung und Veräußerung von zwei Eintrittskarten für das Champions-League-Finale 2015 in Berlin angegeben. Diese hatten sie über die offizielle UEFA-Webseite zugelost bekommen. Die Anschaffungskosten betrugen 330 EUR. Ursprünglich hatte der Kläger geplant, das Finale zusammen mit seinem Sohn zu besuchen. Nachdem jedoch feststand, dass das Finale ohne deutsche Beteiligung stattfinden würde, entschloss sich der Kläger zum Verkauf der Karten über eine Ticketplattform. Der ausbezahlte Veräußerungserlös abzüglich Gebühren betrug sage und schreibe 2.907 EUR. Das Finanzamt sah hierin sonstige Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften ("Spekulationsgewinn") und versteuerte 2.577 EUR.
  • Das FG beurteilt die Sache anders. Zwar haben die Kläger mit dem Verkauf der Finalkarten innerhalb eines Jahres ein Wirtschaftsgut veräußert. Bei verfassungskonformer Auslegung handele es sich jedoch um Wertpapiere, die nicht dem Anwendungsbereich des § 23 EStG ("Spekulationsgeschäft") unterfallen und deren Veräußerung damit keinen steuerbaren Vorgang darstellt. Der Gewinn könne aber auch nicht bei den Kapitaleinkünften (§ 20 EStG) erfasst werden, da es keinen entsprechenden gesetzlichen Tatbestand gäbe. Auch zur Umsatzsteuer habe der BFH entschieden, dass es sich bei Eintrittskarten um Wertpapiere handelt (BFH-Urteil vom 3.6.2009, XI R 34/08). Das Gesagte gelte jedenfalls seit einer Gesetzesänderung durch das Unternehmenssteuerreformgesetz 2008.

STEUERRAT: Das FG hat die Revision wegen der "grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache" zugelassen (Az. IX R 10/18). Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Wer Gewinne aus dem Verkauf von Veranstaltungstickets erzielt hat, sollte sie daher zunächst in seiner Steuererklärung angeben und gegen die Besteuerung Einspruch einlegen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Selbstverständlich sieht die steuerliche Behandlung anders aus, wenn jemand durch häufigen An- und Verkauf von Tickets quasi wie ein Händler auftritt.

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