Das Umsatzsteuerrecht ist kompliziert und ungerecht. Gerade die Höhe des Steuersatzes, also 7 oder 19 Prozent, hält einige Kuriositäten bereit und führt immer wieder zu Streit mit dem Finanzamt. Das betrifft nicht nur den leistenden Unternehmer. Auch die Empfänger von Leistungen müssen prüfen, ob ihnen der korrekte Umsatzsteuerbetrag in Rechnung gestellt worden ist. Wird ein überhöhter Steuersatz in Rechnung gestellt, dürfen sie nur den korrekten Betrag - also gegebenenfalls nur 7 statt 19 Prozent - als Vorsteuer abziehen. Wird zu wenig Umsatzsteuer ausgewiesen, dürfen sie nur diesen Betrag als Vorsteuer abziehen. Seit einigen Monaten trifft dieses Problem auch Bahnfahrer, die oft mit dem Zug im Nahverkehr fahren und dabei die 50 Km-Grenze überschreiten - denn die Bahn weist hier nur noch 7 Prozent Umsatzsteuer aus.

Beispiel: Sie fahren häufiger von Dortmund nach Düsseldorf mit den Nahverkehrszügen. Die Deutsche Bahn weist auf ihren Tickets nur noch 7 Prozent Umsatzsteuer aus, obwohl 19 Prozent richtig wären. Das führt dazu, dass Ihnen 12 Prozent Vorsteuern verloren gehen, da Sie nur den offen ausgewiesenen Betrag als Vorsteuer abziehen dürfen. Warum geht die Bahn diesen Schritt? Und was können betroffene Kunden tun?

Zunächst ein Blick ins Umsatzsteuerrecht: Für die Beförderung von Personen im Schienenbahnverkehr beträgt die Umsatzsteuer 7 Prozent, wenn diese innerhalb einer Gemeinde stattfindet oder wenn die Beförderungsstrecke nicht mehr als 50 Kilometer beträgt. Anders ausgedrückt: Bei Fernstrecken sind 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Aufgrund der zunehmend größer werdenden Verkehrsverbünde und des "Wechselspiels" zwischen Nutzung von Zügen der DB und der regionalen Anbieter ist es für die Bahn immer schwieriger festzustellen, ob ein Kunde tatsächlich innerhalb der 50 Km-Grenze bleibt. Also hat sie sich dazu entschieden, von vornherein nur 7 Prozent auszuweisen. Damit ist sie übrigens nicht allein. Einige Verkehrsvertriebe weisen ebenfalls standardmäßig nur 7 Prozent, andere gar keine Umsatzsteuer aus.

Die Bahn begründet ihr Vorgehen wie folgt: "Der bisherige Steuerausweis wird den Leistungsanteilen der befördernden Unternehmen nicht in allen Fällen gerecht. Um den Kunden den Vorsteuerabzug in Höhe von 7% zu sichern, werden ab dem 10.12.2017 die von der DB ausschließlich für den Nahverkehr erstellten DB-Fahrkarten einheitlich einen Mehrwertsteuersatz von 7% ausweisen." Die Begründung ist natürlich Unfug. Der Grund liegt einfach und allen darin, dass die Bahn nicht für eine zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer in Haftung genommen werden möchte. Das ist durchaus verständlich. Den Fahrgästen aber zu suggerieren, die neue Handhabung läge in deren Interesse, ist hingegen unredlich.

STEUERRAT:  Im Internetauftritt der Bahn finden Sie ein Formular, mittels dessen Sie die Möglichkeit haben, eine Bescheinigung zum korrekten Vorsteuerabzug für DB-Fahrkarten des Nahverkehrs zu beantragen. Das heißt, Sie erhalten eine Rechnung, in der 19 Prozent Umsatzsteuer ausgewiesen sind und der Nettobetrag entsprechend reduziert wurde. Ähnlich gehen einige Verkehrsverbünde vor, zum Teil allerdings mit - recht kurzen - Ausschlussfristen. Das Gesagte ist nicht nur für die Fahrten der Unternehmer selbst wichtig, sondern auch für Dienstreisen der Mitarbeiter. Auch hier besteht für den Arbeitgeber das Recht auf Vorsteuerabzug, wenn er den Mitarbeitern die Kosten ersetzt, da die Fahrten im Interesse des Unternehmens erfolgen.

Formular der Deutschen Bahn: www.bahn.de/p/view/home/kontakt/antrag-vorsteuerabzug.shtml

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