Geht es bei der Anschaffung des Firmenwagens nach den Wünschen des Mitarbeiters, wird der Wagen teurer als der Arbeitgeber bereit ist zu finanzieren. So kommt es vor, dass mancher Mitarbeiter für die gewünschten Sonderausstattungen oder für ein teureres Modell eine Zuzahlung zu den Anschaffungskosten leistet. Bei Anwendung der 1 %-Pauschalmethode wird die Zuzahlung auf den ermittelten Nutzungswert angerechnet und vermindert somit den steuerpflichtigen geldwerten Vorteil. Nach Auffassung der Finanzverwaltung erfolgt die Anrechnung zunächst im Jahr der Zahlung. Falls die Zuzahlung höher ist als der Nutzungswert, kann der übersteigende Betrag im folgenden Jahr und ggf. in nachfolgenden Jahren auf den steuerpflichtigen Nutzungswert angerechnet werden (BMF-Schreiben vom 4.4.2018, BStBl. 2018 I S. 592, Tz. 61; R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Satz 2 und 3 LStR). AKTUELL hat das Niedersächsische Finanzgericht eine Aufsehen erregende Entscheidung gegen den Fiskus gefällt:

Eine einmalige Zuzahlung zu den Anschaffungskosten eines Firmenwagens kann - statt im Jahr der Zuzahlung und ggf. im Folgejahr - auch ratierlich auf eine vereinbarte Nutzungsdauer verteilt werden und so über die gesamte Nutzungsdauer den geldwerten Vorteil mindern. Voraussetzung hierfür ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur voraussichtlichen Nutzungsdauer des Fahrzeugs und zur Verteilung der Zuzahlung (FG Niedersachsen vom 16.4.2018, 9 K 162/17, Revision VI R 18/18).

  • Nach Auffassung der Finanzrichter mindert eine einmalige Zuzahlung zu den Anschaffungskosten des Firmenwagens in Höhe von z.B. 20.000 EUR und einer vereinbarten Nutzungsdauer von z.B. 96 Monaten den geldwerten Vorteil in Höhe von 20.000 EUR : 96 Monate, mithin um 200 EUR monatlich.
  • Bereits im Jahre 2007 hatte der BFH geurteilt, dass eine Zuzahlung zu den Anschaffungskosten für ein fremdes Wirtschaftsgut, welches der Arbeitnehmer zur Einkünfteerzielung nutze, wie Anschaffungskosten eines Nutzungsrechts zu behandeln und über die voraussichtliche Nutzungsdauer zu verteilen sei (BFH-Urteil vom 18.10.2007, VI R 59/06).
  • Darüber hinaus ist auch der Rechtsgedanke des § 11 Abs. 2 Satz 3 EStG zu berücksichtigen. Danach sind Ausgaben, die für eine Nutzungsüberlassung von mehr als 5 Jahren im Voraus geleistet werden, insgesamt auf den Zeitraum gleichmäßig zu verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird. Auch diese Regelung zeigt, dass eine gleichmäßige Verteilung der Zuzahlung über die Nutzungsdauer zu erfolgen hat, wenn von vornherein ein Zeitraum für die Nutzung und dementsprechend für die Zuzahlung zwischen den Beteiligten vereinbart worden ist.

Beispiel:
Der Freiberufler Steuerle überlässt seiner mitarbeitenden Ehefrau einen Firmenwagen zum Bruttolistenpreis von 57.000 EUR auch zur privaten Nutzung (Mercedes-Benz GLK CDI 4 Matic). Die Ehefrau leistet zu den Anschaffungskosten eine einmalige Zuzahlung von 20.000 EUR, die lt. Vereinbarung auf eine Nutzungsdauer von 96 Monaten bzw. 8 Jahren zu verteilen ist. Der private Nutzungswert beträgt monatlich 570 EUR (1 % von 57.000 EUR) bzw. 6.840 EUR im Jahr. Herr Steuerle möchte entgegen der Auffassung des Finanzamtes, dass die Zuzahlung entsprechend der vereinbarten Nutzungsdauer auf den geldwerten Vorteil angerechnet werde. Das sind 200 EUR pro Monat bzw. 2.400 EUR im Jahr. Als geldwerter Vorteil sind dann monatlich zu versteuern: 570 EUR ./. 200 EUR = 370 EUR.

 

So rechnet bisher
der Fiskus

So rechnet das
FG Niedersachsen

Zuzahlung des Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten

Nutzungswert beträgt: 570 EUR x 12 = 6 840 EUR

20 000 EUR

 

20 000 EUR

 

Im 1. Jahr: anzurechnen auf Nutzungswert

zu versteuern als Nutzungswert

Im 2. Jahr: anzurechnen auf Nutzungswert 

zu versteuern als Nutzungswert

Restbetrag

Im 3. Jahr: anzurechnen auf Nutzungswert

zu versteuern als Nutzungswert

ab dem 4. Jahr: anzurechnen pro Jahr

zu versteuern pro Jahr

./. 6 840 EUR

0 EUR

./. 6 840 EUR

0 EUR

= 6 320 EUR

./. 6 320 EUR

520 EUR

0 EUR

6 840 EUR

./. 2 400 EUR

4 440 EUR

./. 2 400 EUR

4 440 EUR

 

./. 2 400 EUR

4 440 EUR

./. 2 400 EUR

4 440 EUR

STEUERRAT: Die hier beschriebene Verteilung der Zuzahlung über die gesamte Nutzungsdauer des Firmenwagens ist besonders vorteilhaft, wenn der Arbeitslohn mitsamt des geldwerten Vorteils aus dem "Sachbezug Firmenwagen" unter der Geringfügigkeitsgrenze bleibt (monatlich 450 EUR) und deshalb für den Arbeitnehmer gänzlich steuerfrei ist. Der Arbeitgeber hat für den Verdienst lediglich die Pauschalabgabe von 30 Prozent an die Minijobzentrale abzuführen.
Beispiel: Gehalt monatlich 75 EUR zzgl. geldwerter Vorteil für Firmenwagen 370 EUR (570 EUR ./. 200 EUR), macht 445 EUR. Wegen Unterschreitens der Geringfügigkeitsgrenze bleibt dieser Verdienst steuer- und sozialversicherungsfrei. Auch zur "Glättung" der Steuerprogression kann die geschilderte Verteilung günstiger sein.

Weitere Informationen: Steuern sparen mit dem Firmenwagen.

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