Ein schönes Modell, um später vorzeitig und abgesichert in den Ruhestand gehen zu können, ist das Zeitwertkonto. Auf ein solches Konto können Mitarbeiter Überstunden- und Urlaubsabgeltungen, Einmalzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Tantiemen), Teile des laufenden Arbeitslohns sowie freiwillige Leistungen des Arbeitgebers einbringen. Während der Ansparphase fallen für gutgeschriebene Beträge keine Steuern an. Weder die Vereinbarung noch die Wertgutschrift auf dem Zeitwertkonto führen steuerlich zum Zufluss von Arbeitslohn. Auch sind die Einzahlungen auf das Zeitwertkonto sozialversicherungsfrei. Steuern und Sozialversicherungsbeiträge werden erst dann fällig, wenn das angesparte Wertguthaben später planmäßig für die Freistellung von der Arbeit oder Verringerung der Arbeitszeit verwendet wird (nachgelagerte Besteuerung). Doch kann ein solches Zeitwertkonto auch im Rahmen eines Ehegatten-Arbeitsverhältnisses eingerichtet werden? 

Für bilanzierende Unternehmer wäre ein solches Modell steuerlich interessant, weil sie für ihre – künftigen – Aufwendungen schon heute eine steuermindernde Rückstellung bilden können, während ihr Ehepartner insoweit noch keinen Arbeitslohn versteuern muss. Unterm Strich ergibt sich also zunächst eine Steuerersparnis, die erst Jahre später wieder zurückzuzahlen ist. Da der Steuersatz zudem später oftmals niedriger ist als in der aktiven Phase des Erwerbslebens, bleibt ein hübsches Sümmchen über. 

Das Finanzgericht Baden-Württemberg ist der Auffassung, dass auch für den angestellten Ehegatten ein Zeitwertkonto anzuerkennen ist. Das gelte selbst dann, wenn rund 70 Prozent des Arbeitslohns in das Wertguthabenkonto eingezahlt und nur 30 Prozent an den Ehepartner ausgezahlt werden (Urteil vom 23.10.2018, 5 K 2061/16). Auch die Tatsache, dass den anderen Arbeitnehmern das Modell eines Zeitwertguthabens nicht angeboten wurde, war im Urteilsfall unerheblich, da die Ehefrau die einzige Bürokraft war. Das Angebot des Wertguthabenmodells beziehe sich damit auf einen abgegrenzten Unternehmensbereich. Maßgebend war nur, dass die vertraglichen Vereinbarungen des Arbeitsvertrages und des Zeitwertguthabens für sich genommen fremdüblich waren und auch ordnungsgemäß durchgeführt wurden.  

Doch ob die Gestaltung Bestand haben wird, ist noch nicht endgültig entschieden, denn zwischenzeitlich liegt beim Bundesfinanzhof die Revision unter dem Az. X R 1/19 vor. 

Weitere Informationen: Zeitwertkonten: Interessantes Modell zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit

 

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