Ein schönes Steuersparmodell wird zum 1.1.2020 wohl eine wichtige Änderung erfahren: Es geht um die Vorauszahlung von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung, genauer gesagt zur so genannten Basisabsicherung. Entsprechende Beiträge dürfen nämlich nach derzeitigem Recht bis zum 2,5-fachen des laufenden Jahresbeitrages im Voraus für kommende Jahre gezahlt und in ebenfalls voller Höhe im Zahlungsjahr als Sonderausgaben abgesetzt werden. Noch besser: Zahlungen in so genannte Beitragsentlastungstarife, also Tarife, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter stabil bleiben oder sogar niedriger sind, sind unbegrenzt abziehbar. Doch mit dem Modell der unbegrenzten Vorauszahlung auf Entlastungstarife soll ab 2020 Schluss sein. Angesichts der geplanten Neuregelung kann es sinnvoll sein, eine entsprechende Vorauszahlung zu einem Beitragsentlastungstarif noch in 2019 zu leisten, sofern sich hier aufgrund einer besonders hohen Progression ein nennenswerter Steuervorteil ergibt.

Zum Hintergrund

Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung sind seit 2010 in tatsächlicher Höhe und unbegrenzt als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Sie sind grundsätzlich in dem Jahr als Sonderausgaben absetzbar, in dem sie gezahlt werden. Dies gilt grundsätzlich auch für Beiträge, die im Voraus für kommende Jahre gezahlt werden (Abflussprinzip gemäß § 11 Abs. 2 EStG). Doch dieses Abflussprinzip wurde im Jahre 2011 eingeschränkt bzw. eine wunderbare Steuerspar-Option eröffnet:

  • Beiträge zu einer Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung dürfen bis zum 2,5-fachen des laufenden Jahresbeitrages im Voraus für kommende Jahre gezahlt und in voller Höhe im Zahlungsjahr als Sonderausgaben abgesetzt werden. Beiträge, die darüber hinausgehen, sind in dem Jahr absetzbar, für das sie geleistet werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG).
  • Diese Einschränkung des Abflussprinzips gilt indes nicht für Beiträge, die "der unbefristeten Beitragsminderung nach Vollendung des 62. Lebensjahrs dienen". Der erhöhte Beitragsanteil zur Beitragsentlastung im Alter ist - soweit er auf die Basisabsicherung entfällt - in voller Höhe als Sonderausgaben absetzbar (BMF-Schreiben vom 19.8.2013, BStBl. 2013 I S. 1087, Tz. 88).

Ab 2020 soll die Einschränkung des Abflussprinzips bei Vorauszahlungen von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen einheitlich für sämtliche Beiträge zu einer Basisabsicherung gelten - und zwar einschließlich der Beitragsanteile, die "der unbefristeten Beitragsminderung nach Vollendung des 62. Lebensjahrs dienen". Zum Ausgleich dieser Einschränkung wird der abzugsfähige Betrag von derzeit dem Zweieinhalbfachen auf das Dreifache angehoben (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG).

Begründung: Für die unterschiedliche Behandlung der Beitragsanteile ist kein Grund für eine Ungleichbehandlung erkennbar. Mit der Neuregelung können mit der gegenwärtigen Regelung einhergehende praktische Umsetzungsprobleme sowohl für den Versicherten als auch für die Finanzverwaltung zukünftig vermieden werden. Zudem sollen auch missbräuchliche Gestaltungen im Rahmen des Sonderausgabenabzugs durch Vorverlagerung von Beitragszahlungen in Jahre mit höheren Einkünften vorgebeugt werden. So sind z.B. Beitragsentlastungstarife, die für 40 Jahre im Voraus gezahlt werden können, nach aktuellem Recht in voller Höhe im Abflussjahr abzugsfähig. 

STEUERRAT: Angesichts der geplanten Neuregelung kann es sinnvoll sein, eine entsprechende Vorauszahlung zu einem Beitragsentlastungstarif noch in 2019 zu leisten, sofern sich hier aufgrund einer besonders hohen Progression ein nennenswerter Steuervorteil ergibt. Genaues Rechnen ist natürlich angesagt.

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